Stadtwerke als Energieproduzenten – Chancen und Risiken

In den letzten Wochen haben die Räte der Städte, die durch ihre Stadtwerke an der STEAG-Übernahme beteiligt sind, grünes Licht auch für den zweiten Teil des Geschäfts gegeben: die Option der Übernahme der vorerst bei Evonik verbleibenden 49 Prozent zwischen 2014 und 2016. Die Übernahme der STEAG durch die Stadtwerke bietet Chancen für einen ökologischen und zukunftsfähigen Umbau und eine Stärkung der kommunalen Energieversorgung, an dem die Menschen vor Ort eingebunden werden können – wir erwarten, dass es sie auch nutzen.

Leider bieten nicht alle Projekte der Stadtwerke solche Chancen. 23 Stadtwerke, die meisten aus NRW, haben sich am RWE-Steinkohlekraftwerk Hamm-Uentrop (“Gekko”) beteiligt. Die Stadtwerke übernahmen hierbei 33 Prozent der Kosten, wobei ihnen eine Rendite von 6,5 Prozent in Aussicht gestellt wurde.

Dieses Geschäft wird nun zum Problem, auch für die, die es zunächst – entgegen Grüner Warnungen – als wirtschaftliche Chance bejubelt hatten. Zum einen wird das Projekt unter anderem auf Grund von technischen Problemen erst ein Jahr später als geplant ans Netz gehen können, was nicht nur zu Verlusten bei den Investitionen, sondern sogar zu Mehrkosten von 200 Mio. führt. Zum anderen ist es durch die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke und dem gleichzeitigen Ausbau der Erneuerbaren Energien sehr fraglich, ob das Kraftwerk jemals wirtschaftlich betrieben werden kann.

Die Chance, die eine Rekommunalisierung der Energieversorgung und eine Stärkung der Kraftwerke bietet, sollte nicht dadurch ausgehöhlt werden, dass Stadtwerke sich auf schlechte Geschäfte mit den großen, marktbeherrschenden  Energieversorgern einlassen. Stattdessen sollten sie versuchen, durch einen dezentralen und lokalen Ausbau von Erneuerbaren Energien und den Ersatz von alten Kohlekraftwerken durch Gaskraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung ihr Portfolio zu erweitern und sich als selbständiger Akteur auf dem Energiemarkt zu positionieren.

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