PCB-Skandal: Arnsberg ließ Envio walten

derwesten.de vom 16.07.2010

Die mit PCB verseuchten Envio-Mitarbeiter wären gesünder, wenn die Bezirksregierung Arnsberg erste Hinweise auf fahrlässigen Umgang mit dem als krebserregend geltenden Gift ernst genommen hätte. Das geht aus einer Antwort von Ex-Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Landtag hervor.

Demnach gab es nicht nur frühe Anzeichen für Arbeitsschutzmängel, sondern schon im September 2008 auch einen Hinweis auf „unsachgemäße Behandlung von PCB-verunreinigten Abfällen in dafür nicht zugelassenen Bereichen“. Ein großes Echo fand der Tipp nicht. Eine Kontrolle vor Ort, dazu ein paar von Envio vorgelegte Unterlagen – und die Anzeige war in Arnsberg vom Tisch.

Für die Landtagsabgeordnete Daniela Schneckenburger ist damit „der Nachweis erbracht, dass Envio schon 2008 unzulässig mit PCB-haltigem Material gearbeitet hat“. Damals hätten sofort Untersuchungen und Proben veranlasst werden müssen, meint die Grüne. „Stattdessen hat die Bezirksregierung den Sachverhalt scheinbar verschleiert.“
Nicht nur „dazu muss Arnsberg jetzt Rede und Antwort stehen“. Schneckenburger will auch „eine Erklärung dafür, warum nicht schon 2006 auf eklatant erhöhte PCB-Werte in Grünkohl und Gemüse reagiert wurde“.

Das Uhlenberg-Papier beschreibt auch in einem anderen schwerwiegenden Fall laxe Kontrollabläufe bei der Bezirksregierung. So reichten Envio im Januar 2010 offenbar vier Jahre alte Messprotokolle der Berufsgenossenschaft aus, um die konkrete Beschwerde eines Ex-Mitarbeiters über „nicht saubere Arbeitsbedingungen“ zu zerstreuen. Die alten Protokolle „ergaben die sichere Einhaltung der Grenzwerte“ in jenem Bereich, in dem mit PCB bearbeitet wurde.
Dass die Giftkonzentrationen unmittelbar nebenan tatsächlich bis zu 1000-fach über den Grenzwerten lagen, fiel erst Monate später auf.

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